"Geisterdorf" Gairo Vecchio
Tief im bergigen Herzen der sardischen Ogliastra-Region klammern sich die Ruinen von Gairo Vecchio an den Steilhang über dem Tal des Riu Pardu. Ihr Name, abgeleitet vom Griechischen für „fließende Erde“, sollte sich im Oktober 1951 als düstere Prophezeiung erfüllen: Nach tagelangen, sintflutartigen Regenfällen geriet der instabile Untergrund in Bewegung. Schlammlawinen und Erdrutsche machten das historische Dorf unbewohnbar und zwangen die Bewohner zur schrittweisen Evakuierung.
Heute gilt Gairo Vecchio als das bekannteste und eindrucksvollste Geisterdorf Sardiniens. Es ist ein Ort der visuellen Kontraste, an dem die Natur sich die Architektur unaufhaltsam zurückholt. Zwischen verfallenen Mauern aus Naturstein schimmern vereinzelt noch bunte Putzreste in verblichenem Blau und Rosa – stumme Zeugen des Lebens, das hier einst stattfand. Diese fotografische Dokumentation fängt die melancholische Stille, das stehengebliebene Licht und die verlassene Seele eines Dorfes ein, das im Jahr 1951 abrupt aufhörte zu existieren, aber nie ganz vergessen wurde.
Gairo Vecchio, Sardinien, 2018